Chapter 15
Entschuldigt, dass ich so lange nicht geschrieben habe. Hatte keine Zeit & keine Lust – aber nun Kapitel 15:
Die Morgensonnen schien auf uns herab, als wären wir die Hauptdarsteller eines Theaterstücks. Alle Augen waren auf uns gerichtet, denn das, was jetzt passierte, würde die Handlung wenden. Mit einem Unterschied: es gab keine Handlung, die sich wenden konnte, denn das hier war erst der Anfang unserer Geschichte.
Unsere Gesichter waren so nahe beieinander, sodass ich seinen Atem hören konnte, sein Herz klopfen. Mein eigenes klopfte so laut, sodass ich Angst bekam, Neo könnte es hören. Wie peinlich. Schnell wandte ich meinen Blick ab. Ich kannte ihn doch gar nicht, wie konnte ich mich so schnell in ihn verlieben? Bisher hatte ich an Liebe auf den ersten Blick gezweifelt, aber nun kam mir meine Ansicht absurd vor. Liebe kam und ging, wann sie will, ohne, dass man sie steuern kann. Ist es also so unmöglich, dass ich mich in diesen schwarzhaarigen Jungen verlieben konnte, der auf mich wirkte, als kannte ich ihn schon immer? Nein – es war durchaus möglich.
Aber nicht jetzt. Ich war hier aus einem ganz bestimmten Grund: ich musste diese Jugendherberge wiederfinden, ich musste meiner kleinen Schwester die letzte Ehre erweisen, da dies meine Eltern kein einziges Mal taten. Vielleicht wusste Neo, wo sich die Jugendherberge Summerville befand. Konnte ich ihn einfach so fragen? Wenn ich das tat, stand zweifellos fest, dass er nachfragen würde, warum ich das wissen wollte. Aber momentan verspürte ich nicht das Bedürfnis, ihm meine Lebensgeschichte zu erzählen – und vor allem, warum ich diese Herberge suche.
„Bist du okay?“ Er hatte wohl bemerkt, dass ich geistig nicht anwesend war. Ich blickte in seine Augen. Erschrocken. Ängstlich. Sofort trat er einen Schritt zurück: „Entschuldige. Ich sollte dich nicht so überfallen. Vielleicht ist es besser, wenn ich jetzt gehe.“ Er drehte sich urplötzlich um die eigene Achse, ging in die Hütte, kam mit seinem Militärrucksack wieder heraus und verschwand durch den Wald. Seine Schritte wurden immer leiser, bis ich sie nicht mehr hören konnte. Manchmal vernahm ich ein Knacksen, doch sehen konnte ich Neo nicht mehr. Er hatte mich einfach stehen gelassen, er war einfach davongelaufen. Als würde auch er vor irgendetwas davonlaufen. Vor was nur? Vor mir? Oder bloß vor seinen eigenen Problemen? Ich wusste es nicht. Doch als ich mir dieses Mal die Fragen darüber stellte, wer er war, und warum auch er hier war, war er mir plötzlich nicht mehr egal. Vielleicht lag es daran, was heute passiert ist. Vielleicht lag es aber auch an meinem Bauch, der ununterbrochen kribbelte, als wären tausend Schmetterlinge darin gefangen.
Eines stand fest: ich musste ihn wiedersehen.
Und ich hatte das Gefühl, dass es bis zu unserem Wiedersehen nicht mehr lang ist.
Hoffentlich.
14. Mai 2009 um 17:45
danke für deinen kommentar in meinem blog.
eventuell findest du eine freie minute, diesen eintrag zu lesen: http://blog.fluegelchen.net/2009/05/ausenmeldung/
Wäre toll.
LG,
Flügel