Chapter 8
Die Gebäude flitzen an mir vorbei. Sie waren im Barockstil errichtet. Es gefiel mir, wie schön sie verziert waren. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen, und die Sonne kam wieder zum Vorschein. Sie wärmte meine Haut und trocknete meine Kleidung und Haare. Mir wurde wohl zumute, als mich die ersten Sonnenstrahlen trafen. Die Pfützen, die auf der Straße entstanden waren verschwanden nach und nach, während ich durch ihre letzen Überreste patschte. Es machte mir Spaß, durch sie hindurch zu hüpfen. Auch dieses Mal war ich mir sicher, dass eine Menge Blicke auf mich gerichtet waren. Ich gab ihnen Recht – ein fünfzehnjähriges Mädchen, dass sich verhielt wie eine fünfjährige war zugegeben etwas eigenartig. Ich lachte, und erfreute mich an meiner wiedergefundenen Freude an meiner Kindheit. Doch als mein Blick auf ein Schild fiel mit der Aufschrift „Jugendherberge Summerville“, kam ich in die Realität zurück. Hier war keine Zeit für kindische Spielereien. Ich durfte nicht glücklich sein, wenn meine kleine Schwester es nicht sein konnte. Aber vielleicht war es auch besser für sie nicht auf die Welt gekommen zu sein. So musste ich den Schmerz alleine tragen, ohne sie zu belasten. Dieser Gedanke beruhigt mich ein wenig. Ich kam mir seit ihrem Tod so verantwortlich vor. Dafür, was passiert ist, und dafür danach. Meine Mutter hatte nie mit mir darüber geredet. Zwischen uns herrschte eisernes Schweigen. Nie mehr war ein Wort über meine kleine Schwester gefallen, und auch nicht über die Tat von Vater. Aber die Gedanken waren da, bei uns beiden. Sie waren da, und würden nie wieder verschwinden. Wie ich ihn dafür hasste, dass er unser Leben und unser Glück zerstört hatte. Aber egal, wie groß der Hass auch war – meine Mutter liebte ihn immer noch. Was er getan hatte war für sie bloß ein Ausrutscher.
Plötzlich machte sich ein Hungergefühl in mir breit. Mein Magen begann richtig heftig zu Knurren. Ich musste lachen. Es war so laut, dass man meinen könnte, ein Bär brüllte. Der Geruch von frischem Gebäck trat mir in die Nase. Vielleicht hatten sie in der nächsten Bäckerei Bagles. Ich würde welche kaufen, auch wenn ich wusste, dass sie nicht so gut schmecken würden wie die von Mutter.